Die Frage, was mit den Hähnchen geschieht,
bringt ihn in Verlegenheit,
wir bringen sie weg, sagt er,
was fällt ihr denn,
Federbällchen,
was saugt euch da so an,
verwandelt euch,
in weissliches Gemisch,
in Tierfutter,
sammelt euch in grossen Trögen,
fast nichts sieht ihr
von dieser Welt,
nur Förderband und Trichter,
und viele Kollegen,
zwei Stunden alt,
zwei Stunden Geschubse,
etwas Hin und her,
und die Sache ist vorbei,
habt ihr schon ein Stimmchen,
piepst ihr etwas,
auf eurer Fahrt, oh,
wir möchten mehr wissen,
von euch, von eurem Tod,
ist er furchtbar, ist er schön,
was denkt ihr,
sind wir nicht auch Flaum,
der über Trichtern schwebt,
das kann nicht sein,
es ist nicht so,
es herrscht ganz im Gegenteil
ein Gefühl allgemeiner Hochkarätigkeit,
Normale sind wir, bestätigt,
aber damit, Hähnchen,
habt ihr nichts zu tun,
euch saugt's ins Loch,
jahraus, jahrein,
pausenlos, drei, vier pro Sekunde,
fünfzigtausend pro Tag,
allein, zu zweit, zu dritt,
die Hähnchen können wir natürlich nicht brauchen,
sie legen ja keine Eier,
niemand hat Verwendung für sie,
wir auch nicht, natürlich,
aber ein paar Minuten sind wir da,
begleiten euch mit einem Gesang,
es ist nichts,
du, Hinunterschwebender,
nichts ist,
nie wirst du von Behörden lesen,
die die Lage nicht mehr unter Kontrolle bekommen,
nie von Debatten hören, die nicht enden wollen,
nie von Argumenten, die alle schon bekannt sind,
nie von den Käfern erfahren, den gepanzerten,
die in der Mitte der Nacht
in den Hotelzimmern
die Gäste in Erstaunen setzen,
dichtet, dichtet, singt,
wir sind einig geworden
mit dem Landwirtschaftsministerium,
wie man euch,
ihr gelben, aufgeregten Häufchen,
am leichtesten wieder dorthin bringt,
woher ihr gekommen seid,
was müsst ihr euch hier plagen,
wir bringen euch weg,
auf einem Förderband
dürft ihr noch ein klein wenig fahren,
langsam, die Fahrt soll nicht beschwerlich sein,
keinesfalls Tierquälerei,
die Zeit reicht aus,
manche dürfen etwas staunen,
manche etwas begreifen,
wer begreift, begreift,
dass er überflüssig ist,
anderen ist gestattet,
sich ein wenig ängstigen,
vielleicht am Ende der Fahrt
ist etwas Unruhe angebracht,
es gibt dort einen kleinen Stau,
einige ahnen, dass das Loch,
in dem die Mitbrüder so blitzartig verschwinden,
nichts Gutes bringt,
ein Mahlwerk,
sie sammeln ihre Kräfte,
versuchen einen Hüpfer,
einen ersten Flügelschlag,
andere aber plumpsen ohne die leiseste Ahnung
in die Grube,
sie wären wohl ganz ordentlich entrüstet,
wenn man ihnen sagte,
dass sie nach einer Hundertstelsekunde
Tierfutter seien,
wer sich wehrt,
kommt nicht weit,
das Band trägt sie fort,
geschwind genug,
auch die Kräftigsten kommen
nur für ein paar Sekunden
dagegen an,
und unaufhörlich kommen
neue Kandidaten angereist,
neue Genossen,
zur Zermalmung bestimmt,
die kleinen Kräfte reichen nirgends hin,
ein leichter Stoss,
und ihr seid weg,
kein Vergleich mit früheren Methoden,
ihr merkt eigentlich
wirklich gar nichts mehr,
vom Anfang bis ans Ende,
ihr fahrt dahin
und fällt,
angenehm schnell,
leicht noch angesaugt,
in die Mühle
mit den tausend Umdrehungen pro Sekunde,
ihr müsst euch nicht fragen,
wie es weitergehen soll,
an den Ort eures Untergangs
fliegen keine Regierungschefs,
keine Uniformierten sind daran beteiligt,
keine Behelmten,
es ist nicht zu vergleichen
mit den Gemetzeln,
in denen unsere Art zu Tode kommt,
niemand rückt mit Schützenpanzern vor,
ein kleines Fährtlein,
kein Grund zur Unruhe,
so wie ihr fahrt,
fahren die Grossen,
die Pharaonen auf dem Nil,
so ernst, so ruhig,
so sicher, wie die grossen Dichter dichten,
sammelt sich, fragen wir,
neben der weisslichen Masse im Trog,
neben dem Tierfutter
auch Schuld an,
ist Töten böse,
und fällt, wenn das Mass voll ist,
irgendwo eine Himmelsmacht das Urteil,
die Photos der Machthaber bleiben euch erspart,
nicht seht ihr sie,
von kühnen Einsichten gezeichnet,
nach dem Sieg über die Konterrevolution
umgeben von Generälen,
zu Hunderten tauchen sie auf, die Generäle,
fabriziert nicht viel anders als ihr,
nehmt sie doch mit,
o dass auch sie angesaugt würden, wünschten wir,
gerechterweise, gerechterweise,
aber was sollen wir euch
im übrigen noch singen,
dass auch wir reisen,
begleitet von eisernen Sorgen,
dass wir auf den Reisen vieles hören,
"aus allem das Optimum herausholen",
sagt man heutzutage
in den Erstklassabteilen
der Schweizerischen Bundesbahnen,
und "Grossrat" und "Schaffen",
"Lago mio!" rufen die Reisenden,
und "Giftspritze",
mehr Berechtigung
zu leben
als ihr,
Kleine,
haben wir nicht,
nehmt uns mit,
die Reisenden in den grossen Flughäfen,
auch sie fahren auf Bändern,
schnaufend, schwitzend, überlaut,
sie verlieren ihre Jäcklein,
regen sich auf,
Ferien sind anstrengend,
es wäre besser für sie,
wenn sie mit euch reisten,
entspannender,
sie würden nicht den Arm brechen,
sie müssten nicht
Rechnungen beanstanden,
nicht im nächsten Jahr nach Portugal wollen,
euch geht es nicht schlecht,
sieht uns,
an Händen und Füssen gefesselt,
den Mund mit Klebband verschlossen,
mit Sicherheit noch lebend,
so stellen später die Experten fest,
werfen wir unsere Brüder in die Flüsse,
und an den Abenden
denken wir nach und schreiben,
untreu, immer untreuer,
wie wollen wir, ihr Lieben,
diese Todesart bezeichnen,
ist es Zermalmung,
ist es Wegsaugung,
ist es Entschwebung,
in der Mitte der Nacht
fallen uns ungeheuerliche Zeilen ein,
wir glaubten,
bevor wir in der Frühe
etwas Schlaf fanden,
wir würden uns wieder an sie erinnern,
gradlinig verläuft euer Leben,
schnörkellos, im Nu
seid ihr aufgelöst,
wir hingegen scheinen unzerstörbar,
über uns beklagt man sich,
dass wir oft unansprechbar sind,
in Gedanken verloren,
wir stellen uns nämlich vor,
was geschehen würde,
wenn alles, was bei uns pro forma getan wird,
was bei uns pro forma herumliegt,
von uns genommen würde,
was ihr eilt,
wollt ihr nicht hören,
wir erzählen vom Trinkwasser,
das zweifelhaft aussieht
und schäumt, aber,
wie man uns versichert,
von ausgezeichneter Qualität sein soll,
der langlebige Diktator,
der auch davon trinkt,
lässt Desinfektionsmittel beimischen,
weiter nichts,
weiter nichts als Militärdiktaturen
und Demokratien,
manche sind fast liebenswert,
sie haben Altersgebrechen,
sind unachtsam,
angenehm zerrüttet,
es ist zu leben,
die Machthaber behandeln ihr Land wie eine alte Hure,
alles, was sie verlangen, bekommen sie,
die wenigen Besucher,
Fachleute der Geflügelzucht,
Experten des Landwirtschaftsministeriums,
interessieren sich nicht für das,
was am Ende des Bandes geschieht,
und in den Nächten
feiern die verwilderten Hunde
Walpurgisnacht
des Zornes und der Verfolgung,
es hört sich an,
wie wenn einer
dem Hunger der anderen
zum Opfer fiele,
aber seine Todesschreie hören nicht auf,
sein heiseres Geheul
hört nicht auf,
aber ihr wisst nicht, was Kampf ist und Todesbiss
und Uebermacht, nur vom Untergang
habt ihr eine kleine Ahnung,
ein Mikrogramm Abtreten
mischt man eurem Leben bei,
wir sind auf der Suche nach anderen Essenzen,
auf der Suche nach den Stoffen,
die das Leben lebenswert machen,
Gottseidank, Gottseidank,
endlich sind wir nervenkrank,
der eine früher, der andere später,
sind wir alle angeknackt,
wir dichten wenig,
nur noch in den Nächten,
wenn wir keinen Schlaf finden
vor Sorgen (es sind alles Lächerlichkeiten),
und wir alles zusammenstellen,
was für unser Selbstbewusstsein
von Bedeutung ist,
fährt ihr auch jetzt,
Tun das Nicht-Tun,
dann gibt es nicht Nicht-Regelung,
fährt ihr auch jetzt,
wir sind vom Fluch erfasst,
vom Fluch der Sprach- und Tatenlosigkeit,
die Peiniger fragen uns,
wie Leute wir dazu kämen zu meinen,
wir wüssten nichts,
wenn die Regierung ihre Politik festgelegt hat,
warum glauben wir nicht,
es besser zu wissen,
und man verwandelt uns
in ein hochbeiniges, langflügeliges Insektchen,
bei allen Bewegungen muss es höllisch aufpassen,
dass es sich nicht verletzt,
nach langem Flug um heisse Lampen
nimmt es unbeschadet an der Decke Platz,
es ist ein Abend,
wo sich Käfer in Bewegung setzen,
in rührendem Uebereifer,
ihr Marsch beunruhigt uns nicht,
sie kommen nicht voran,
verfangen sich in Spinnweben,
unruhige, dumme Gesellen,
nicht zu vergleichen
mit den bösen Spinnen,
die behendig zu ihren Opfern eilen,
wie von Computern gesteuert,
wir merken es nicht,
wir merken gar nichts mehr,
wir ihr, Bällchen,
werden wir bearbeitet, ach,
fahren wir auf einer Fertigungsanlage,
aber zu welchen Zwecken,
warum nimmt man uns den Verstand,
warum impft man uns
Lieblosigkeit ein,
allgemeine Lebensverachtung ein,
die Mentalität der Vernichtungslager,
wir möchten "die Leiche" heissen,
und schlecht aussehen,
und viel rauchen,
und viel in den Bars sitzen,
und wir möchten,
wenn man uns demütigt und schlägt,
zum grossen Auto gehen
und die Schrotflinte holen
und sieben Schüsse abgeben
und Ursache werden
von zahllosen Gerichtsfällen,
tagelang Gelassenheit
und heitere Ruhe,
warum uns dann aber doch wieder
Kleinigkeiten aus dem Gleichgewicht bringen,
das möchte ich wissen,
hast du das Gefühl,
dass keine Führung besteht,
fragt man mich,
und das ist Grund
zu unstillbarem Zorn,
und überall ist Bäurisches,
aber nicht das Bauerntum
der alten Heldenvölker,
der grossen, unbeugsamen,
dem abgestumpften Bauern
begegnen wir überall,
sein Verstand reicht noch
zur Bedienung einfacher Maschinen,
und zum Lesen der Gebrauchsanweisungen
auf den riesigen Säcken
mit den Chemikalien,
von denen er nicht weiss,
dass sie nutzlos sind,
jetzt fliehen wir gar noch,
über Grenzen,
und überall
werden wir den Problemen
nur noch Meister,
wenn Militär
zum Einsatz kommt,
wenn wir nicht schlafen in der Nacht,
weil uns die Sorgen plagen,
freut es uns,
wenn gegen Morgen
die Vorstellungen
immer unwahrscheinlicher werden,
"Das haben wir jetzt
nicht mehr gedacht",
denken wir,
"das war schon ein Traum",
und es gelingt uns,
einzuschlafen,
Anhang!
Was wichtig ist, hat einen Anhang,
wir publizieren diese Gedichte
demnach als Anhang (annexe),
oder als einen Schmerzstoffgesang,
zum Beispiel als fünfzehnten,
die Fluchtmöglichkeiten
der Weisen in China
sind euch verschlossen,
euch und uns,
wenn man ihnen nähertreten wollte,
brachten sie sich rasch in Sicherheit,
über die grossen Flüsse,
man sah das andere Ufer nicht,
auf die Strasse gehen
und rufen, "Basta!",
und "Fertig mit diesem Blödsinn!",
und nicht allein sein,
sondern inmitten einer Million
kluger lachender Menschen,
am grossen Fest der Entzauberung,
alles muss entzaubert werden,
es geht des weiteren
auch um Videogeräte,
um den freien Zugang zu Videogeräten,
Wärter sind wir,
ein Volk von niedrigstirnigen Aufsehern,
wir bewachen verbissen und boshaft,
was es aber zu schützen gilt,
weiss niemand,
am Jahresende esse ich soviel ich kann,
und bin sehr müde,
und kann nicht verhindern,
dass ich mich plötzlich finde
in der Haut des alten Diktators,
Unberufene machen mir den Prozess,
stellen Fragen über Bier und Würste,
meine Frau fragt,
wie ich es zulassen könne,
dass die Leute so zu uns sprechen,
wir sind Akademiker, sagt sie,
Helden glauben wir zu sehen,
und vergehen vor Scham,
wenn wir darüber nachdenken,
was wir tun könnten,
wir können nichts tun,
denken wir,
es fällt uns auch gar nichts ein,
das wir tun könnten,
gar nichts oder nur Dummes,
in den engen gekachelten Gängen haben wir
Ausweichnischen für eilige Terroristen gebaut,
und am Ende des Jahres wissen wir,
wem die Hände gehören,
die euch betasten,
der Handsexer
oder die Handsexerin
stellen euer Geschlecht fest,
ihre Ausbildung, so erfahren wir,
soll nicht billig sein,
da man alles selbst bezahlen muss,
vor allem die Hennenküken
fallen finanziell ins Gewicht,
da diese dem mehrmaligen Ueben
nicht gewachsen sind,
so manchem Küken wird bei Ueben
nämlich der Lebensatem genommen,
wer handsext,
sitzt in einem sauberen weissen Kittel
am Tisch und schaut sich die Küken an,
übrigens erfordert
jede neue Züchtung
ein neues Umdenken,
was bei der einen Rasse
eine Henne war,
ist bei der anderen Rasse
bereits ein Hahn,
alle Küken müssen noch am Tag des Schlüpfens
sortiert werden, Hilfe, Hilfe, ja!,
den Hähnchen die Hähnchenhilfe,
den Züchtungen die Züchtungshilfe,
den Handsexerinnen die Handsexerinnenhilfe,
in den USA heissen nur jene,
die hinrichten,
Todesarbeiter,
aber bei uns heissen alle Todesarbeiter,
Herr Todesarbeiter der eine,
Herr Obertodesarbeiter der andere,
Herr Todesdirektor, Herr Obertodesdirektor,
mit der schwärzesten Schwärze
arbeiten wir, anders geht's nicht,
das Leben verlangt's,
abwenden müssen wir uns,
kann dies gut gehen,
wir wissen es nicht,
die Jockeys lächeln,
wenn sie das Wort "Hilfe" hören,
sie glauben nicht an Hilfe,
mit Verrücktheiten haben sie's zu tun,
von früh bis spät,
alles geht sehr schnell,
auch der sozialistische Aufbau,
wenn ein Held oder eine Heldin
Moskau für sechs Wochen verlassen muss,
will er die Frage,
wie es dort jetzt sei,
nicht mehr beantworten,
wie sollen wir das wissen,
sagen sie stolz und lächeln,
wir sind zu viele, zurück,
Du zurück, nach Türkei,
wenn nicht gut putzen,
wenn nicht sauber,
Du zurück nach Pakistan,
Du zurück nach Chile,
Hallen, im Ausland gibt es grosse Hallen,
mit hunderttausend Hühnern,
wir träumen davon,
wenn wir untergehen,
auch das Handsexen geht unter,
in Japan gibt es Experten,
die nicht handsexen,
sondern das Geschlecht
auf den ersten Blick erkennen,
nach mehrjähriger Uebung
erreichen sie eine Trefferquote
von über neunzig Prozent,
wie wollen wir das erklären,
oh, es ist so schwer.
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